Programmiersprache Pascal
Interaktion mit dem Nutzer
Die Interaktion mit dem Nutzer ist heute für die Lösung vieler
Aufgaben unverzichtbarer Bestandteil der Lösungsstrategie. Häufig
wird in diesem Zusammenhang auch von Dialog und von der Gestaltung der
Mensch-Rechner-Schnittstelle (human computer interface) gesprochen.
Dialog läßt sich wie folgt kennzeichnen [DIN 66234, Teil 8]:
Dialog ist ein Ablauf, bei dem der Benutzer zur Abwicklung einer
Arbeitsaufgabe - in einem oder mehreren Schritten - Daten eingibt und
jeweils Rückmeldung über die Verarbeitung dieser Daten erhält.
Unterschieden werden können verschiedene Dialogformen.
Klassikationsmerkmale sind beispielsweise Fragen wie:
- Wer bestimmt die Abfolge des Dialogs ?
- Von wem geht die Initiatiave zum Dialog aus ?
- Welche Freiheitsgrade besitzt der Nutzer im Dialog ?
Klassifikationsschema
Visualisierungsgrad
niedrig hoch
+----------------+----------------+
| Stapel- | Menü- | niedrig
interaktive | verarbeitung | Oberfläche |
+----------------+----------------+
Direktheit | Kommando- | Direkte |
| Oberfläche | Manipulation | hoch
+----------------+----------------+
Initiative
- systeminitiierter Dialog
-
die nachfolgende Aktion des Rechners kann vom Benutzer nicht
beeinflußt werden
der Benutzer muß antworten
Ausnahme: fehlerhafte Eingaben lösen eine Ausnahmebehandlung aus
(sollten sie auslösen)
Beispiele: Frage-Antwort-Technik, Formulare
- benutzerinitiierter Dialog
-
die nachfolgende Aktion des Rechners kann vom Benutzer bestimmt werden
der Rechner antwortet
Beispiele: Kommandosprachen, Menus
Oft werden Mischformen verwendet.
Ein systeminitiierter Dialog kommt neuen Programmnutzern entgegen, wird aber
von routinierten Nutzern als belastend empfunden.
Ein benutzerorientierter Dialog gestattet routinierten Nutzern ein effektiveres
Arbeiten, setzt aber immer ein gewisses Maß: an Kenntnis voraus.
Interaktivität
- aktiver Dialog
-
die Aktionen der Dialogpartner treten streng abwechselnd auf
- interaktiver Dialog
-
der Mensch kann den Rechner bei Verarbeitungsaktivitäten
unterbrechen
der Rechner kann den Mensch bei Eingabeaktivitäten unterbrechen
Interaktionsarten (Shneiderman)
- Kommandoeingabe
- Menüauswahl
- Formulardialog
- direkte Manipulation
- natürlichsprachliche Ein-/Ausgabe
Freiheitsgrade des Benutzers
- statische Dialoge
-
die Zahl der Systemzustände, die Abfolge und die Charakteristiken der
Ein-/Ausgaben kann nicht beeinflußt werden
- dynamische Dialoge
-
die Zahl der Systemzustände, die Abfolge und die Charakteristiken der
Ein-/Ausgaben kann beeinflußt werden
Klassifikationsaspekte für Benutzeroberflächen
Zeileneingabe Vollschirmeingabe
zeichenorientiert grafikorientiert
diskrete Ein-/Ausgabe analoge Ein-/Ausgabe
systemkontrolliert benutzerkontrolliert
Erinnern und Reproduzieren Wiedererkennen und Auswählen
Funktions-Objekt-Struktur Objekt-Funktions-Struktur
freier Dialog modaler Dialog
Kriterien für Wahl der Dialogform
- Umfang der Daten
- Umfang und Komplexität der Funktionen
- Art der Benutzer
- Gewohnheit der Benutzer ( Auswirkungen auf Schulungsaufwand, Akzeptanz)
- Implementierungsaufwand
Maßgebende Aspekte für Dialoggestaltung
Was ? Art der Information \
Inhalt \
Wer ? Benutzerkreis \ Wie ?
Personale Voraussetzung \ Bild- und
Wozu ? Art der Aufgabe / Informations-
Zweck / gestaltung
Womit ? Grenzen von Hardware und Software /
Technische Voraussetzungen /
Klassifikation der Informationen
-
Statusinformationen
Programmname, Formularname, Programmodus
-
Arbeitsinformationen
Arbeitsdaten
-
Steuerinformationen
Programmfolgesteuerung
-
Meldungen
Fehler, Warnungen
Der Nutzer sollte stets sofort erkennen können, mit welcher Art von
Information er konfrontiert wird. Es muß für ihn eindeutig sein,
ob von ihm eine Handlung verlangt wird und wenn ja, was dies für eine
Handlung ist.
Ferner muß er erkennen können, wann er nicht eingreifen kann
bzw. nicht eingreifen darf.
Hilfsmittel hierfür können sein:
-
feste Zuordnung von Informationsklassen zu Bildschirmbereichen
-
optische Präsentation der Information durch unterschiedliche Farben
oder Schriftsätze
-
blinkende Bildschirmbereiche, akustische Signale
Nur sehr sparsam und überlegt einsetzen !
Achtung: Wichtig ist eine Beschränkung auf wenige Informationsklassen, da
für weniger routinierte Nutzer sonst Zuordnungsprobleme auftreten
können.
Einige Prinzipien
-
permanente Sichtbarkeit der jeweils interessierenden Objekte
-
schnelle, umkehrbare, einstufige Benutzeraktionen mit unmittelbarer
Rückmeldung
-
Ersetzung komplexer Kommandos durch physische Aktionen
(Mausbewegung, Selektionsaktionen, Funktionstastenbetätigung)
-
Verbergen bzw. bewußtes Verkomplizieren kritischer Aktionen
Arbeitsteilung Mensch - Computer
Probleme bereitet folgende Arbeitsteilung
- Normalsituation
-
Der Computer macht alles, der Nutzer hat "nichts" zu tun.
- Ausnahmesituation
-
Der Computer "versagt", der Nutzer hat "alles" zu tun.
Da Ausnahmesituationen selten sind, ist der Nutzer überwiegend
unterfordert, er ermüdet. In plötzlich auftretenden
Ausnahmesituationen zeigt sich der Nutzer dann oft "untrainiert", er ist
unter Streß überlastet, die Ausnahmesituation wird nicht
beherrscht.
-
Begrenzte Wahrnehmungsfähigkeit
Mensch kann nicht mehr als verschiedenen 5 - 7 "Dinge" gleichzeitig
wahrnehmen
-
Tunneleffekt
in Streßsituationen reduziert sich die Wahrnehmungsfähigkeit
mitunter auf 1-2 verschiedene Einflußgrößen
P. Böhme, 18.08.1996